Islamismus will emanzipierte Frauen brechen

Nach den vielen sexualisierten Übergriffen gegen Frauen am Kölner Domplatz in der Silvesternacht 2015/2016, ist eine gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit frauenfeindlichen Einstellungen bei Migranten aus muslimisch geprägten Gesellschaften aufgeflammt.

Seitdem versuchen rechtsextreme Akteure verstärkt, den Kampf gegen Gewalt gegen Frauen für migrationsfeindliche Kampagnen zu instrumentalisieren. Ein Beispiel dafür ist der von der Identitären Bewegung ins Leben gerufene Hashtag „120 Dezibel“ oder der „Frauenmarsch“, zu dem die AfD Ende diesen Februar dieses Jahres in Berlin mobilisierte. Ziel beider Aktionen ist es, männliche Migranten pauschal als potenzielle Vergewaltiger, Gewalttäter und Mörder darzustellen und Angst vor Zuwanderung zu schüren.

Statt um den feministischen Kampf für Selbstbestimmung, geht es den Rechten um den Schutz der „Ehre“ der Volksgemeinschaft und um die „Reinhaltung“ der völkischen Identität. Frauenkörper gelten im patriarchalen, rechtsextremen Weltbild als Garanten für den Fortbestand der Volksgemeinschaft. Ihre Verfügbarkeit für das völkische Kollektiv wird von den Rechten auch massiv gegen das Recht auf körperliche Selbstbestimmung eingefordert. Daher hetzen die AfD, Pegida und die Identitäre Bewegung bekanntlich gegen Sexualaufklärung, gleichgeschlechtlichen Sex, Verhütung, das Recht auf Abtreibung und weibliche Emanzipation.

Aufgrund der Instrumentalisierung der Debatte durch Rechtsextreme, sieht sich die feministische Linke in einem Dilemma zwischen dem Anspruch, sexualisierte Übergriffe zu thematisieren und Rassismus abzuwehren. Aus Angst, einen rassistischen Diskurs zu befeuern, wird über den Zusammenhang zwischen patriarchalen Sozialisationsmustern in islamisch geprägten Gesellschaften und sexualisierten Übergriffen und Demütigungen von Frauen nicht gerne gesprochen. Die Tatsache, dass es ähnliche Attacken wie in Köln auch auf Demonstrationen in Tunesien und Ägypten gab, wo sich Islamisten zu Mobs verabreden, um Frauen zu begrabschen und vergewaltigen, wurde kaum diskutiert oder teilweise sogar als rassistische Deutung der Angriffe bezeichnet. Doch das in einem fundamentalistischen Islam angelegte Weltbild, dass die Frau einen Mann schon alleine dadurch verführt, dass sie unverschleiert und unbegleitet auf der Straße ist, verleitet Männer, die sich dadurch als Opfer weiblicher Verführung sehen, dazu, von ihnen als „ehrlos“ betrachtete Frauen respektlos zu behandeln oder gar anzugreifen.

Während wir in anderen Zusammenhängen sehr wohl die Hintergründe und Sozialisationsmuster sexistischen Verhaltens hinterfragen, herrscht in Zusammenhang mit islamischen religiös-fundamentalistisch begründetem Sexismus, in Teilen der Linken dazu Schweigen.
Rassistisch ist das Thematisieren der Hintergründe und Motivation der Täter dann, wenn sexistische Verhaltensweisen nicht als Produkt komplexer Sozialisationsprozesse, sondern als unveränderbare und naturgegebene Eigenschaften beschrieben werden, die durch ethnische Zugehörigkeit bestimmt sind. Und es ist eben gerade nicht rassistisch, Geflüchtete oder muslimische Männer als politische Subjekte zu begreifen, deren Vorstellungen ebenso hinnehmbar oder inakzeptabel sind, wie die aller anderen Menschen.

Ein Hauptmotiv des Islamismus ist es, emanzipierte Frauen zu brechen. Und dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen. Und zwar genauso selbstverständlich, wie wir gegen andere Arten der Unterdrückung aufbegehren.

(zuerst erschienen in der Mitgliederzeitung der Münchner Grünen GRETA im April 2018)

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