Gedanken zum Jahresausklang 2020

Wie kann man ein Jahr zusammenfassen, das man am Liebsten anschreien möchte?
So viel Leid, so viele Einschränkungen, so viel Unsicherheit. Wenn man in fünfzig Jahren auf dieses Jahr zurückblickt, wird es das Jahr der Pandemie sein. Das Jahr, in dem alle, die dachten, dass der Mensch die Natur kontrollieren kann, eines besseren belehrt wurden.
Wir können 1000 Corona-Viren 500 mal übereinander legen und der Turm wäre einen Millimeter klein. Etwas sehr kleines kleines hat unser Leben in großen Ausmaß aus der Bahn geworfen.

Aber auch, wenn man das schwer verstehen kann, war die Botschaft des Virus eine sehr einfache: Unsere Gesellschaft hat Grenzen. Grenzen der Kapazitäten unserer Gesundheitssysteme, Grenzen der Freiheit, Grenzen des Wachstums, Grenzen der Ausbeutung und Belastbarkeit von Mensch und Umwelt.

Gerade im ersten Lockdown haben wir deutlich zu spüren bekommen, dass wir in einer Gesellschaft leben, die eigentlich immer schneller rennen muss, um am Leben zu bleiben. Es gab kaum ein Unternehmen, das einige Wochen still stehen kann, ohne am staatlichen Tropf zu hängen. Unsere Wirtschaft ist abhängig von einem fragilen Netz, das so schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann, dass einem schwindlig wird wie in einer Achterbahn. Wenn auch nur eine Schraube fehlt, wird es gefährlich.

Als Lieferketten rissen, waren viele Länder zunächst abgeschnitten von Atemmasken und Medikamenten. Noch immer die ärmsten Länder bei der Bekämpfung der Pandemie im Stich gelassen, während sich einige Industriestaaten ein Vielfaches der notwendigen Impfdosen sicherten.
Die Verästelung der Wertschöpfungsketten und die Unterwerfung unter sozial und ökologisch ausbeuterische Marktlogiken haben uns als Menschheit in der Pandemie viel verletzlicher gemacht als wir sein müssten. Viele Gesundheitssysteme und einige Wirtschaftszweige haben sich als so krisenfest erwiesen, wie ein Kartenhaus im Wind.
Man nur hoffen und daran arbeiten, dass 2021 das Jahr wird, in dem wir nicht noch einmal Kartenhäuser errichten. Man kann nur hoffen und daran arbeiten, dass 2021 das Jahr wird, in dem wir stabil werden bevor der nächste Sturm kommt.

Wir haben mit dem Pariser Klimabkommen, Menschenrechten und nachhaltigen Entwicklungszielen als Weltgemeinschaft eigentlich alles, was wir brauchen, um die Welt nach humanistischen Maximen zu gestalten. Lets do it!

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